Silvester ist für die meisten Menschen ein fröhliches Fest mit Feuerwerk, Sekt und guten Vorsätzen. Doch für unsere vierbeinigen Familienmitglieder bedeutet die lauteste Nacht des Jahres oft Stress pur. Etwa 52 Prozent aller Hunde zeigen Angstreaktionen aufgrund von Feuerwerk, wie eine aktuelle Studie belegt. Bei Katzen sind es rund 45 Prozent. Die plötzlichen Knallgeräusche und grellen Lichtblitze lösen bei vielen Tieren Panik aus. Manche zittern, verstecken sich oder versuchen sogar zu fliehen. Zum letzten Jahreswechsel wurden allein in Deutschland 457 Hunde als vermisst gemeldet – mehr als doppelt so viele wie an normalen Tagen. Als verantwortungsvoller Tierbesitzer können Sie jedoch einiges tun, um Ihrem Liebling diese Nacht zu erleichtern. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Ihre Haustiere optimal auf den Jahreswechsel vorbereiten und welche Maßnahmen wirklich helfen.
Warum Silvesterfeuerwerk für Haustiere so belastend ist
Das menschliche Gehör nimmt Geräusche zwischen 20 und 20.000 Hertz wahr. Hunde hingegen können Frequenzen bis zu 50.000 Hertz wahrnehmen, Katzen sogar bis zu 65.000 Hertz. Das bedeutet: Was für uns bereits ohrenbetäubend laut ist, empfinden unsere Haustiere als noch wesentlich intensiver.
Die wichtigsten Stressfaktoren für Tiere an Silvester
- Unvorhersehbare, laute Geräusche: Plötzliche Knallgeräusche aktivieren den Flucht-Instinkt. Anders als bei Gewitter kündigt sich Feuerwerk nicht an – die Explosionen kommen aus dem Nichts und verstärken die Angst der Tiere.
- Grelle Lichtblitze: Die hellen Lichteffekte irritieren die empfindlichen Augen der Tiere zusätzlich. In Kombination mit den Geräuschen entsteht eine totale Reizüberflutung.
- Ungewohnte Gerüche: Schwefel und Rauch wirken auf die feinen Nasen besonders beunruhigend. Hunde haben etwa 220 Millionen Riechzellen, Menschen nur fünf Millionen.
- Vibrationen: Selbst durch geschlossene Fenster spürbare Erschütterungen verstärken die Angst und signalisieren dem Tier eine unmittelbare Bedrohung.
Typische Angstreaktionen bei Hunden und Katzen
Die Reaktionen auf Silvesterfeuerwerk fallen individuell sehr unterschiedlich aus. Alter, Rasse, Vorgeschichte und Sozialisierung spielen eine wichtige Rolle. Diese Anzeichen deuten auf Stress und Angst hin:
Bei Hunden:
- Heftiges Zittern und Hecheln
- Unruhiges Umherlaufen
- Winseln oder Jaulen
- Versuche, sich zu verstecken
- Verweigerung von Futter und Wasser
- Durchfall oder Erbrechen
- Fluchtversuche
Bei Katzen:
- Verkriechen unter Möbeln
- Erstarrung oder Flucht
- Erweiterte Pupillen
- Angelegte Ohren
- Fauchen und Aggressivität
- Unsauberkeit
- Exzessives Putzen
Die gute Nachricht: Während 75 Prozent der betroffenen Tiere bis zum nächsten Tag zu einem normalen Verhalten zurückkehren, benötigen nur drei Prozent mehrere Monate für die vollständige Erholung.
Vorbereitung ist alles: Was Sie jetzt noch vor Silvester tun können

Der Jahreswechsel rückt näher – je früher Sie mit den Vorbereitungen beginnen, desto besser. Wenn Sie diesen Artikel Mitte bis Ende Dezember lesen, können Sie noch wichtige Maßnahmen ergreifen.
Training und Desensibilisierung
Idealerweise gewöhnen Sie Ihr Tier bereits Monate vor Silvester schrittweise an laute Geräusche. Falls Sie diesen Artikel im Dezember lesen, ist für ein vollständiges Desensibilisierungstraining leider zu wenig Zeit. Dennoch können Sie kurzzeitig positive Erfahrungen schaffen: Spielen Sie Aufnahmen von Feuerwerksgeräuschen in sehr geringer Lautstärke ab, während Ihr Tier entspannt ist, und belohnen Sie ruhiges Verhalten mit Leckerlis. Für das kommende Jahr sollten Sie jedoch bereits im Frühjahr mit einem systematischen Training beginnen, um die Angstreaktion langfristig zu verringern.
Natürliche Beruhigungsmittel jetzt noch einsetzen
Pflanzliche Präparate benötigen Zeit, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Falls Sie noch zwei Wochen Zeit bis Silvester haben, beginnen Sie jetzt mit der Gabe von natürlichen Beruhigungsmitteln. Auch wenn die Zeit knapp ist, können viele Präparate noch helfen:
- L-Tryptophan: Diese Aminosäure ist eine Vorstufe des Glückshormons Serotonin und wirkt beruhigend auf das Nervensystem.
- Pheromone: Synthetisch hergestellte Beruhigungsbotenstoffe wie Adaptil für Hunde oder Feliway für Katzen gibt es als Zerstäuber, Halsbänder oder Sprays. Sie vermitteln ein Gefühl von Sicherheit.
- Baldrian, Hopfen und Johanniskraut: Diese Heilpflanzen haben sich in Kombination mit B-Vitaminen bewährt. Präparate wie Zylkene oder Relax-Komplex sind rezeptfrei erhältlich.
- CBD-Öl: Cannabidiol kann zu mehr Ruhe und Ausgeglichenheit beitragen. Wichtig: Verwenden Sie ausschließlich spezielles CBD-Öl für Tiere mit einem THC-Gehalt unter 0,2 Prozent. Sprechen Sie die Anwendung mit Ihrem Tierarzt ab, besonders wenn Ihr Tier andere Medikamente einnimmt.
Der sichere Rückzugsort
Richten Sie jetzt noch einen gemütlichen Rückzugsort ein. Auch wenn nur noch wenige Tage bis Silvester bleiben, gewöhnt sich Ihr Tier schnell an einen neuen Bereich, wenn Sie ihn attraktiv gestalten. Ideal ist ein ruhiger Raum mit wenigen Fenstern, in dem Ihr Vierbeiner sich sicher fühlt. Polstern Sie den Bereich mit Decken und Kissen aus. Für Hunde eignet sich eine Transportbox oder ein Platz unter einem Tisch als „Höhle”. Katzen bevorzugen oft erhöhte Verstecke wie Schränke oder spezielle Katzenhöhlen.
Legen Sie das Lieblingsspielzeug bereit und platzieren Sie ein getragenes Kleidungsstück von sich im Bereich – Ihr Geruch wirkt beruhigend.
Praktische Tipps für den Silvesterabend
Wenn die kritischen Stunden näher rücken, können Sie mit diesen Maßnahmen die Belastung für Ihr Tier deutlich reduzieren.

Letzte Gassirunde am Nachmittag
Gehen Sie mit Ihrem Hund bereits am Nachmittag ausgiebig spazieren, wenn es noch ruhig ist. Gegen Abend sollten nur noch kurze Runden in unmittelbarer Hausnähe stattfinden – und das ausschließlich an der Leine oder im Sicherheitsgeschirr. Viele Hunde reißen sich in Panik los und laufen weg.
Für Freigänger-Katzen gilt: Lassen Sie sie ab dem 31. Dezember nicht mehr nach draußen. Die Gefahr, dass sie in Panik davonlaufen und sich verirren, ist zu groß.
Fenster und Türen sichern
Schließen Sie alle Fenster, Türen und Rollläden rechtzeitig. Das dämpft nicht nur die Geräusche, sondern verhindert auch, dass Lichtblitze ins Haus dringen. Ziehen Sie zusätzlich die Vorhänge zu. Prüfen Sie, ob alle Sicherungen an Fenstern und Balkontüren geschlossen sind – panische Tiere entwickeln ungeahnte Kräfte.
Geräusche überdecken
Lassen Sie den Fernseher oder das Radio laufen – am besten mit ruhiger, klassischer Musik. Es gibt sogar spezielle Playlists für Hunde und Katzen, die entspannende Frequenzen enthalten. Die Hintergrundgeräusche übertönen die ersten Knaller von draußen und schaffen eine vertrautere Atmosphäre.
Beschäftigung und Ablenkung
Eine schmackhafte Mahlzeit oder ein großer Kauknochen können Wunder wirken. Während Ihr Hund konzentriert kaut, werden Glückshormone ausgeschüttet. Futterspielzeug, Schnüffelteppiche oder Leckmatten halten Ihren Vierbeiner beschäftigt und lenken von der Umgebung ab.
Für Katzen eignen sich Fummelbretter oder mit Leckerlis gefüllte Spielzeuge. Das Beschäftigen mit der Nasenarbeit reduziert nachweislich Stress.
Hilfsmittel die wirklich funktionieren
Neben Beruhigungsmitteln gibt es praktische Hilfsmittel, die vielen Tieren durch die schwere Zeit helfen.
Thundershirt: Beruhigung durch sanften Druck
Ein Thundershirt ist eine eng anliegende Weste, die durch konstanten, sanften Druck beruhigend wirkt – ähnlich wie das Pucken bei Babys. Über 80 Prozent der Anwender berichten von positiven Erfahrungen. Wichtig: Gewöhnen Sie Ihr Tier bereits Wochen vorher an das Tragen der Weste. Legen Sie das Shirt in positiven, entspannten Momenten an, damit es keine negative Verknüpfung entsteht. Legen Sie es zusätzlich vorab in Ihren Wäschekorb, damit es nach Ihnen riecht.
Ohrenschützer für besonders empfindliche Hunde
Sogenannte Mutt Muffs sind Ohrenschützer, die den Geräuschpegel deutlich senken. Auch hier gilt: Mehrere Wochen vorher mit dem Training beginnen, damit Ihr Hund das Tragen akzeptiert.
Das richtige Verhalten als Tierbesitzer
Ihre eigene Gelassenheit überträgt sich auf Ihr Tier. Bleiben Sie ruhig und souverän, auch wenn draußen die Raketen knallen.
Trost ja, aber richtig
Wenn Ihr Hund oder Ihre Katze Ihre Nähe sucht, dürfen Sie gerne Trost spenden. Streicheln und beruhigendes Reden sind erlaubt. Vermeiden Sie jedoch übertriebenes Bemitleiden – das könnte die Angst noch verstärken. Behandeln Sie die Situation so normal wie möglich.
Wenn sich Ihr Tier lieber zurückziehen möchte, respektieren Sie das. Drängen Sie sich nicht auf, sondern lassen Sie Ihrem Vierbeiner die Wahl.
Niemals bestrafen
Egal wie sehr Ihr Tier sich daneben benimmt – bestrafen Sie es nicht für angstbedingtes Verhalten. Unsauberkeit, Zerstörung oder Aggression sind Ausdruck von Panik, nicht von Ungehorsam.
Wenn natürliche Mittel nicht ausreichen
Bei sehr stark ausgeprägten Ängsten können natürliche Methoden manchmal nicht ausreichen. In solchen Fällen sollten Sie frühzeitig mit Ihrem Tierarzt sprechen.
Verschreibungspflichtige Medikamente
Ihr Tierarzt kann angstlösende Medikamente wie Trazodon verschreiben. Diese sollten jedoch immer die letzte Option sein und nur nach gründlicher Beratung zum Einsatz kommen. Manche Präparate müssen bereits Tage vorher gegeben werden, um optimal zu wirken.
Wichtig: Von Eierlikör zur Beruhigung – ein Tipp, der gelegentlich kursiert – ist dringend abzuraten. Alkohol ist für Tiere giftig und kann schwere Gesundheitsschäden verursachen.

Absicherung für den Ernstfall: Tierversicherungen geben Sicherheit
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es passieren, dass Ihr Tier an Silvester entläuft, sich verletzt oder einen Zusammenbruch erleidet. Die veterinärmedizinische Behandlung von Panikattacken, Verletzungen durch Fluchtversuche oder stressbedingten Erkrankungen kann schnell mehrere hundert Euro kosten. Eine Tierversicherung schützt Sie vor hohen Tierarztkosten und ermöglicht Ihrem Vierbeiner die bestmögliche Versorgung – auch im Notfall. Besonders Hunde- und Katzenkrankenversicherungen übernehmen nicht nur Behandlungskosten nach Unfällen, sondern auch Vorsorgeuntersuchungen und Verhaltenstherapien bei Angststörungen. So können Sie Ihrem Tier helfen, ohne sich um die finanzielle Belastung sorgen zu müssen. Die derzeit besten Anbieter für Tierversicherungen in Deutschland sind:
Was tun, wenn Ihr Tier entlaufen ist?
Jedes Jahr entlaufen zum Jahreswechsel Hunderte Haustiere. Falls Ihr Tier vermisst wird:
- Sofort handeln: Informieren Sie umgehend das örtliche Tierheim, die Polizei und Tierärzte in der Umgebung. Je schneller Sie reagieren, desto höher die Chancen auf ein glückliches Wiedersehen.
- Haustierregister nutzen: Registrierte und gechippte Tiere können deutlich schneller identifiziert und zurückgeführt werden. Dienste wie TASSO oder Findefix sind kostenlos. Überprüfen Sie vor Silvester, ob die Kontaktdaten aktuell sind.
- Social Media einsetzen: Teilen Sie Fotos und Informationen in lokalen Facebook-Gruppen und auf Plattformen für vermisste Tiere.
- In der Nähe suchen: Viele panische Tiere verstecken sich in unmittelbarer Umgebung. Durchsuchen Sie Garagen, Schuppen und Gärten in der Nachbarschaft.

Langfristige Lösungen: Training und Verhaltenstherapie
Wenn Ihr Tier Jahr für Jahr unter massiver Silvesterangst leidet, sollten Sie eine professionelle Verhaltenstherapie in Erwägung ziehen. Ein erfahrener Tiertrainer oder Tierpsychologe kann gemeinsam mit Ihnen ein individuelles Trainingsprogramm entwickeln.
Die Erfolgsaussichten sind gut: Mit konsequentem Training über mehrere Monate lässt sich die Angst bei vielen Tieren deutlich reduzieren. Der beste Zeitpunkt für den Trainingsbeginn ist das Frühjahr, damit bis zum nächsten Jahreswechsel genug Zeit bleibt.
Fazit
Silvester muss für Ihre Haustiere nicht zum Alptraum werden. Mit der richtigen Vorbereitung, viel Geduld und den passenden Hilfsmitteln können Sie Ihrem Vierbeiner helfen, diese Zeit möglichst stressfrei zu überstehen. Auch wenn Sie diesen Artikel erst kurz vor dem Jahreswechsel lesen: Viele Maßnahmen lassen sich noch kurzfristig umsetzen. Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Ihr Tier unter massiven Ängsten leidet. Und denken Sie daran: Ihre Ruhe und Gelassenheit sind die beste Medizin für Ihren vierbeinigen Freund. Gemeinsam können Sie auch diese Herausforderung meistern und entspannt ins neue Jahr starten.
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